Portrait

…fertig studiert! Und jetzt?

Für viele Schweizer Studenten ist das Wintersemester der Endspurt. Im Sommer 2018 haben sie fertig studiert. Zum Beispiel die Kunststudentin Elena, der zukünftige Elektroingenieur Timo und die bald diplomierte Pflegefachfrau Lore. Haben die drei schon kalte Füsse?

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Elena, Timo und Lore sind drei von Vielen. Drei von 246’000 Studierenden in der Schweiz. Das weiss das Bundesamt für Statistik. Was das Bundesamt für Statistik nicht weiss: Für Elena, Timo und Lore sind es die letzten Semester an ihrer Uni, Fachhochschule oder höheren Fachschule.  Im Sommer wagen sie den Sprung vom Elfenbeinturm, schliessen ihr Studium ab und starten ins Arbeitsleben.

Was das Bundesamt für Statistk auch nicht weiss: Sind Elena, Timo und Lore bereit den Studentenausweis hinter sich zu lassen und auf dem Arbeitsmarkt mitzumischen? Wir haben sie gefragt.

Elena, 25: Bachelor of Arts in Produkt- und Industriedesign13418532_10206332653537269_6981425664141263393_o

“Ich bin Kunststudentin. Da warten keine auf mich zugeschnittenen Berufsprofile in der Arbeitswelt. Doch den Arsch auf Grundeis habe ich nicht. Ich freue mich sogar auf die Zeit nach dem Studium. Schon jetzt jobbe ich im Service und weiss, dass ich durchaus fähig bin meinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich kann mir also Zeit lassen. Das beruhigt.

Die Kreativwelt tickt auch anders. Hier können Jobangebote einfach vom Himmel fallen. Man trifft sich innerhalb der Szene, bespricht Ideen und Projekte. Das ist produktiver als ein Bewerbungsgespräch. Oft ergeben sich daraus Aufträge oder Zusammenarbeiten. Man muss nur genügend auffallen. Und das habe ich fest vor.

Momentan steckt deshalb meine ganze Energie in der Bachelorarbeit. Zusammen mit vier Kolleginnen habe ich ein Buch herausgegeben. Das Buch ist mein Baby. Ein lehrreiches Baby! Aus dem Bachelorarbeitsprojekt ist nämlich ziemlich schnell Ernst geworden. Marketing-Strategien, Budget- und Gewinnberechnungen – da sind wir schon durch. Das war tough. Das Buch ist Business geworden und hat mir bewiesen, dass ich in meine Fähigkeiten vertrauen kann. Ich bin bereit für die Arbeitswelt.”

2018 schliessen Elena und 13 813 andere ihren Bachelor an einer Fachhochschule ab.


Timo, 27: Master of Science ETH in Elektrotechnik und InformationstechnologieIMG_3813

“Ich hatte kältere Füsse zu Studienbeginn, als jetzt kurz vor Abschluss. Vor dem Studium an der ETH sass ich in einer Mathe-Vorlesung Probe. Ich habe gar nichts verstanden. Für das Ingenieur-Studium habe ich mich trotzdem entschieden. Ich wollte von der ETH in die Biomedizin. Das hat mich genug motiviert, um mich von ein bisschen Algebra nicht unterkriegen zu lassen. Und von anspruchsvollen Prüfungen, Arbeiten und Semestern. Das Studium war nämlich hart.

Im März gebe ich jetzt meine Masterarbeit ab. Mit Biomedizin hat sie allerdings nichts mehr zu tun. Menschen sind unzuverlässige Berechnungsobjekte – das habe ich während einer Arbeit zu Cochleaimplantaten gelernt. Für die Masterarbeit rechne ich an einem Machine-Learning-Projekt mit. Ein Geophon lernt am Matterhorn aus unzähligen akkustischen Signalen herauszuhören, ob irgendwo im Fels kleine Sprengungen im Permafrost passieren. Felsstürzen, wie in Gondo, kann so entgegen gewirkt werden.

Im Gegensatz zu den meisten meiner Studienkollegen, plane ich nach dem Abschluss kein Sprung in die Privatwirtschaft. Forschung im Auftrag eines Arbeitgebers reizt mich zu wenig. Das ist mir während des Studiums immer klarer geworden. Lieber forsche ich an eigenen Ideen und eigenen Projekten. Deshalb bewerbe ich mich nun um eine PhD-Stelle an der ETH. Und wer weiss? Nach dem PhD-Studium gründe ich vielleicht ein kleines Fine-Tech-Startup, wo ich meine Forschung zu einer interessanten Idee weiterentwickeln kann. Das ist eine Zukunft, die ich mir gut vorstellen kann.”

2018 schliessen Timo und 14 342 andere ihren Master an einer universitären Hochschule ab.


Lore, 22: dipl. Pflegefachfrau HF

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“Ich werde nach dem Sommer ganz alleine auf meine kleinen Patienten losgelassen. Angst macht mir das aber nicht. Unser Studium ist so aufgebaut, dass wir zwischen den Lernblöcken immer wieder auf den Stationen arbeiten müssen. Ich weiss also, was auf mich zukommt. Und ich bin gut vorbereitet.

Gerade mache ich ein Praktikum auf der medizinischen Station am Kinderspital. Hier habe ich mich ab dem Sommer auch um eine Anschlussstelle beworben. Meinen Weg sehe ich nämlich klar vor mir. Die Stelle auf der medizinischen Station ist nur Zwischenstation. In fünf oder in zehn Jahren werde ich als Ausbildnerin auf der Kinder-Intensivstation arbeiten. Da bin ich mir sicher. Das war schon vor Berufsstart mein klares Ziel.

Deshalb weiss ich auch jetzt schon, dass dies nicht mein letztes Studium ist. Um als Fachfrau Gesundheit auf einer Intensivstation arbeiten zu können, muss ich nochmals ein Nachdiplomstudium anhängen. Das mache in zwei Jahren. Und dann muss ich noch als Ausbildnerin weitergebildet werden. Ich freue mich auf diese Zeit, die jetzt vor mir liegt. Einen anderern Beruf kann ich mir nicht vorstellen.”

2018 schliessen Lore und rund 8483 andere ihr Diplom an einer höheren Fachschule ab.

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