Portrait

Vom Journalistenschüler zum Start-Up-CEO

Er hat das geschafft, wovon viele Start-Ups träumen: Ankommen im Big Apple. Eine wichtige Eigenschaft zum erfolgreichen Unternehmer erlernte der Zürcher einst an der Ringier Journalistenschule.

Ein Büro im 23. Stock, direkt am New Yorker Broadway gelegen. Hier arbeitet David Becker (38), CEO der weltweit erfolgreichsten Gästelisten-App «zkipster». Neben exklusiven Anlässen bekannter Modegrössen wie «Armani», bedienen der Schweizer mit seiner App bekannte Grossveranstaltungen wie der «New Yorker Fashion Week», den «Oscars», sowie Veranstaltungen im Politik- oder Wohltätigkeitsbereich. «Zkipster ist eine einfach bedienbare Software für Event-Organisatoren der Kunst-, Mode-, Unterhaltungs- und Luxusgüter-Industrie», erklärt Becker. Insgesamt 12 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. Einige von ihnen sind nicht nur in New York, sondern auch in London und Hong Kong tätig. Die Ziele der App sind simpel: Niemand soll sich mehr ungeladenen Zutritt an Events verschaffen können, vorbei sind die Zeiten ellenlanger Papier-Gästelisten. Zusätzlich zur elektronischen Gästeliste brachte «zkipster», abgeleitet von «skip the line», auch eine Reihe weitere Produkteentwicklungen wie beispielsweise einer Gästeliste mit Bildintegration auf den Markt. Dabei werden Fotos geladener Gäste automatisch in die Verwaltungsdatei eingespeist, um das gerade für Prominenz und Politiker oftmals mühsame und eher peinliche Prozedere von Ausweiskontrollen zu umgehen.

zkipster Design Miami
Mit “zkipster” lassen sich die Gäste ganz einfach online einchecken. Lange Gästelisten aus Papier sind damit passé.

Mit «zkipster» ist David Becker nun seit bald zehn Jahren im Business. Doch der Zürcher war nicht immer Geschäftsmann. Früh entdeckte er die Leidenschaft für den Journalismus. «Ich wollte immer an den Puls der Zeit, mit Menschen arbeiten, die eine prägende Rolle spielen. In welcher Form auch immer. Journalismus hat mir das ermöglicht.» Mit 16 Jahren arbeitete Becker für das Jugendradio «Blinker», im Jahr 2000 absolvierte er die Ringier Journalistenschule in Zofingen. «Wir kamen jeden Morgen auf die Römerhalde und durften uns eine Stunde in die Presse einlesen. Keiner hatte die News auf dem Handy. Alles startete um 8 Uhr morgens bei null. Eine schöne Zeit», quittiert Becker die zwei Jahre als «Jouschu». Was war das Wichtigste, was er in der Schule gelernt? «Die Essenz einer Geschichte runterbrechen. So muss man auch ein Startup bauen.» Später setzte David Becker seine journalistische Laufbahn als Porträtschreiber und Sportreporter bei der «Schweizer Illustrierten», sowie als Produzent der Morgensendung auf Radio DRS3 fort. Bis ihm 2008 eine folgenreiche Idee kam.

Damals veranstaltete David Becker gemeinsam mit seinem heutigen Geschäftspartner Daniel Dessauges (32) Studentenpartys im Kaufleuten Club. Wie so oft gestaltete sich der Einlass der Gäste schwierig, zu viele Leute wollen rein und die daraus entstandenen Wartezeiten waren lang. Da kam den beiden erstmals der Gedanke einer App, die dieses Chaos zukünftig verhindern soll. Ein Gedanke mit hohem Potential, wie sich später herausstellen sollte. Denn seit der Gründung von «zkipster» im Jahr 2009 haben nun über 12 Millionen Gäste aus über 100 Ländern mittels App eingecheckt. Bereits die erste Version der App funktionierte, doch Abnehmer zu finden gestaltete sich schwierig. Lange blieb das Kaufleuten der einzige Kunde der beiden Jungunternehmer. Solange, bis David Becker und Daniel Dessauges den Schritt aus der kleinen Schweiz in die weite Welt hinauswagten – nach New York, direkt zu ihren potentiellen Kunden. «Wir mussten uns in einem fremden Markt und Umfeld behaupten. Kulturell war das in den ersten Jahren eine gigantische Herausforderung, aber wir sind langsam hineingewachsen», erklärt Becker und fügt an: «Der US-Markt ist noch immer tonangebend für Innovation, neue Technologie und vor allem bei der Implementierung von digitalen Prozessen.» Und trotzdem, neue Wege sind bereits geplant: «Die USA bleibt wichtig und ich bin weiterhin in New York, aber der Fokus der Firma richtet sich langsam nach Asien. Daniel Dessauges ist bereits nach Hong Kong gezogen.»

Daniel Dessauges and David Becker (Founders of Zkipster) at the Crosby Street Hotel in NYC
David Becker mit Geschäftspartner Daniel Dessauges (v.r.).

Der Schritt vom sicheren Job in der Schweiz ins Ungewisse nach Amerika, kein leichtes Unterfangen für Becker: «Der Entscheid war im Rückblick schwierig. Es hat viel mit Angst vor dem Neuen zu tun. Wenn Beruf, Karriere, Wohnort, Sprache so abrupt ändern, ist das schon heftig. Ich habe erst gekündigt bei SRF, als wir sahen, dass «zkipster» eine Chance am Markt hat.» Doch wie hat er sich die unternehmerischen Fähigkeiten vom Journalisten zum Geschäftsmann angeeignet? «Ich habe beobachtet und täglich dazugelernt. Ein Startup-CEO wächst nicht im Treibhaus. Es braucht einen langen Atem und ich bin froh, habe ich einen Geschäftspartner, der meine Schwächen ausgleichen kann.» Auch die Leidenschaft zum Journalismus hat David Becker bis heute nicht verloren: «Wir machen viel Content Marketing und bauen einen globalen Blog für Event-Veranstalter auf. Ich verantworte Website, Branding, Werbekampagnen. Das hat viel mit Medien zu tun. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich nicht mehr Journalist bin. Ich werde immer so denken und handeln.»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s